Star Wars Rebellion im 50 Punkte-Toptest! Wie schneidet dieses epochale Spiel ab? Könnt ihr es empfehlen?

Thema

Das Thema „Star Wars“ ist allgegenwärtig. Viel mehr kann ein Spiel ein Thema nicht transportieren. Besonders gut gefällt mir hier, dass sich das Spiel nur an die alte Trilogie anlehnt und selbst mit Erweiterung nur die Welt von Rogue One dazu kommt, der ja in derselben Zeit spielt.


Material

Star Wars Rebellion kommt mit zwei großen Spielplänen, vielen Kartensätzen, Custom Dice und einer Menge Miniaturen. Die Kartenquaslität ist FFG-typisch auf hohem Niveau. Auch die Miniaturen sind – vor allem in Anbetracht ihrer geringen Größe – sehr detailliert und vor allem stabil. Negativ fallen einzig die Zustandsringe auf, die an die Basen der Anführer angehängt werden können. Hier können nach einigen wenigen Partien schon starke Verschleißerscheinungen zu Tage treten.


Optik

Wie gewohnt liefert FFG hier vor allem Artwork ab, das man aus anderen Star Wars spielen bereits kennt und liebt. Darunter leidet aber nicht die Qualität. Überall, wo viel Text vorhanden ist, setzt das Spiel auf große Karten. Das Spiel trägt die Handschrift von Star Wars durch und durch. So sind manche Karten allein mit dem Cockpit eines Tie-Fighters bzw. des Falken versehen. Der Spielplan ist sehr übersichtlich, die Ikonographie weitestgehend selbsterklärend. Alles wirkt aufgeräumt und an seinem Platz. Einzig die Icon-Versionen der verschiedenen Gerätschaften in Verbindung mit ihren Würfeln können Anfangs zu etwas Kopfzerbrechen führen und die bereits oben erwähnten Zustandsringe lassen ohne die dazugehörige Karte ihre Funktion nur erahnen. Sicherlich steigert die Kenntnis über die Filme den Wiedererkennungswert, jedoch muss auch das erstmal gelernt werden.


Setup

Rebellion ist ein großes Spiel und braucht entsprechend einiges an Aufbau-Zeit. Die verschiedenen Einheiten wollen sortiert und je nach Startaufstellung in der Galaxie verteilt werden. Zusammen mit dem zusammenstellen der Decks (was durch die Erweiterung noch mehr Optionen bekommt) dauert seine Zeit. Da man vieles davon parallel und als Teil des Spieles abhandeln kann – die Wahl der Decks kann schon Teil der Strategie sein – fällt dies zwar nicht negativ ins Gewicht. Dennoch verbringt man mit dem Aufbau schon so einige Zeit. FFG-typisch gibt es mal wieder kein Insert, was dieses Spiel so dringend braucht. Sofern man sich hier organisiert hat, geht es um einiges schneller. Dennoch ist der Aufbau „out of the box“ ein kleiner Zeitfresser.


Spieleranzahl

Rebellion ist als reines 2 Personen-Spiel konzipiert. Kein Wunder, spielen wir doch den Konflikt zwischen zwei Parteien nach. Die Schachtel gibt allerdings 2-4 Spieler an. Diese Einschätzung können wir nicht wirklich teilen. Denn bei 3 Spielern müssen sich zwei Spieler eine Fraktion teilen während ein Spieler den gegnerischen Part übernimmt. Zwar sehen vier Augen mehr als zwei. Jedoch handelt es sich bei Rebellion um ein Spiel, bei dem es darum geht den Gegner auszutricksen, ihm etwas vorzumachen, seine Strategien und Finten zu erkennen und ihn in eine Falle zu locken. Die Absprache darüber am selben Tisch erschwert das Spiel mit 2 Spielern pro Fraktion ungemein. Das gilt ebenso für die 4 Spieler-Partien, dann ist es jedoch zumindest ausgeglichen.

Thematisch versucht das Spiel das Kommando zwischen Luft- und Bodeneinheiten zu trennen und an die Spieler zu verteilen. Das macht zumindest thematisch Spaß. Nichts desto trotz wirkt der Modus mit mehr als 2 Spielern eher aufgesetzt.


Zugänglichkeit

Gemessen an seiner Vielfalt, den Strategien und Möglichkeiten ist das Spiel sehr einfach zu lernen. Im Grunde genommen muss nur erklärt werden wie man Anführer einsetzt, wie man Truppen bewegt und wie gekämpft wird. Der Rest erklärt sich durch den Text der Karten, die man ausspielt. Das ist umso beeindruckender, weil sich jede Partie anders entwickelt, aber jeder Anfänger dennoch sehr schnell ins Spiel findet. Die Spielhilfen sind gut gestaltet und geben die wichtigsten Informationen zum Kampf preis. So müssen komplexe Spiele aussehen!


Spieltiefe

Wie schon unter Zugänglichkeit angemerkt ist Rebellion sehr vielseitig. Partien variieren stark in ihrer Länge, dennoch sind sie immer dramatisch. Schon die Auswahl der Decks bestimmt die Strategien (bin ich als Rebell eher der Saboteur oder suche ich den offenen Konflikt?). Keine Partie gleicht der vorherigen und dennoch sind sie für sich genommen so spannend, dass man sich nach Wochen noch an einzelne Details erinnert. Ein erfahrener Spieler spielt einen Anfänger mit Sicherheit gegen die Wand. Allein schon wenn er weiß, wann der Gegner welche Karten auf die Hand bekommt. So ist es beispielsweise den Rebellen zu Anfang nicht möglich den Todesstern anzugreifen bzw. zu zerstören. Das wird erst später im Spiel möglich.

Dazu ist das Empfinden des Spielgeschehens auf beiden Seiten sehr unterschiedlich. Als Rebell fühlt man sich vom Imperium nahezu erdrückt, muss Schlupflöcher suchen, Bewegungen antäuschen, seine Truppen verstecken und den offenen Kampf meiden. Die Galaxie fühlt sich viel zu klein an. Auf der Seite des Imperiums aber scheint die Map irrwitzig groß zu sein. Die Rebellen könnten überall stecken und ihre Sabotage-Aktionen verhageln die Produktion neuen Kriegsgeräts wann immer es geht.


Spieldauer

Die Spieldauer kann variieren, wenn eine der beiden Parteien zu riskant spielt. Im Allgemeinen aber ist Rebellion ein abendfüllendes Spiel. Um die 2 Stunden reine Spielzeit – also ohne Aufbau und Regelerklärung – sollte man einplanen. Das fühlt sich aber zu keiner Zeit langatmig an. Eine kürzere Spieldauer ließe auch keine groß angelegten Strategien zu. Dennoch kann das Spiel schon nach kurzer Zeit in jeder Runde enden, sodass die Spannung immer hoch ist. Hier langweilt man sich keine Sekunde!


Downtime

Downtime ist nahezu nicht existent. Die Planungsphase geschieht zeitgleich und das Ausführen der Aktionen des Gegners kann von eigenen Einheiten aktiv interveniert werden. Jede Aktion des Gegners kann eine Kettenreaktion in Gang setzen oder die eigenen Pläne durchkreuzen. So ist jede Fraktion – passiv oder aktiv – immer Teil des Geschehens. Natürlich auch im Spiel mit mehr als 2 Spielern.


Preis

Der Preis von ca. 80 € für die deutsche Version ist natürlich eine Menge Geld. Jedoch bekommt man dafür ein tisch- und abendfüllendes Paket und eine prall gefüllte Schachtel. Die Materialqualität ist super, der Umfang des Materials ebenfalls. Hier bekommt man wirklich eine Menge geboten und dem steht auch noch ein super spannendes Spiel gegenüber, das sich sehr hochwertig anfühlt. Wer mit Star Wars und 2 Spieler-Spielen etwas anfangen kann, der wird den Kaufpreis hier nicht bereuen.


Fazit: 43/50 Punkte

Star Wars Rebellion holt sich eine hohe Wertung im Bereich „sehr gut“. Das, was es sein will, erfüllt das Spiel mit Bravour und ohne Kompromisse. Blickt man über die leichten Schwächen bei der Spieleranzahl hinweg, bekommt man hier einen Premiumtitel, der vor Thema nur so trieft. Es scheint, als hätte man die Spielerzahlen 3 und 4 nur auf die Schachtel gedruckt, um nicht nur reine 2 Spiele-Spieler abzuholen. Dennoch ist Rebellion im Kern genau das. Wer sich darauf einlassen kann, der wird garantiert nicht enttäuscht werden.