Die Nachricht, dass die SPIEL Essen 2026 erstmals alle acht Hallen der Messe Essen belegen wird, klingt zunächst nach einer Erfolgsgeschichte. Mehr Aussteller, mehr Fläche, mehr Spiele. Eigentlich genau das, was man sich als Brettspielfan wünscht.
Trotzdem habe ich mich bei der Ankündigung gefragt: Wie groß kann die SPIEL eigentlich noch werden?
Ein Luxusproblem
Vorweg: Das ist natürlich ein Luxusproblem.
Die Messe wächst, weil die Nachfrage wächst. Verlage wollen ausstellen, Besucher wollen kommen und die Brettspielbranche scheint weiterhin gesund zu sein. Darüber kann man sich zunächst einmal freuen.
Gleichzeitig dürfte jeder regelmäßige Besucher Situationen kennen, in denen die Grenzen des Wachstums bereits spürbar wurden. Volle Gänge, lange Warteschlangen und überfüllte Demorunden gehören mittlerweile fast schon zum Messealltag.
Mehr Fläche bedeutet nicht automatisch mehr Platz
Die zusätzlichen Hallen werden sicherlich helfen, Besucherströme besser zu verteilen.
Darauf hoffe ich persönlich sogar ganz besonders. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Bereiche, die zeitweise kaum noch angenehm zu besuchen waren. Wer spontan ein Spiel ausprobieren wollte, musste oft Geduld mitbringen.
Dennoch stellt sich die Frage, ob zusätzliche Fläche das Problem dauerhaft löst. Denn wenn gleichzeitig immer mehr Besucher und Aussteller kommen, verschiebt sich die Kapazitätsgrenze möglicherweise nur weiter nach hinten.
Wann wird eine Messe zu groß?
Das klingt zunächst seltsam. Schließlich möchte niemand einer erfolgreichen Veranstaltung vorwerfen, zu beliebt zu sein.
Trotzdem gibt es einen Punkt, an dem Größe auch Nachteile mit sich bringt.
Die Wege werden länger. Die Planung wird komplexer. Spontane Entdeckungen werden schwieriger, weil man sich stärker auf einzelne Bereiche konzentrieren muss. Und wer nur einen Tag Zeit hat, kann ohnehin nur noch einen Bruchteil der Messe erleben.
Manchmal frage ich mich, ob die SPIEL irgendwann einen Punkt erreicht, an dem weiteres Wachstum die Besuchererfahrung eher verschlechtert als verbessert.
Die Perspektive der Verlage
Auch für Verlage dürfte die Entwicklung nicht nur Vorteile haben.
Mehr Aussteller bedeuten automatisch mehr Konkurrenz um Aufmerksamkeit. Während große Namen ihre Besucher ohnehin anziehen, wird es für kleinere Verlage zunehmend schwieriger, sichtbar zu werden.
Gerade die kleinen Entdeckungen gehören für mich aber zu den schönsten Erlebnissen auf der SPIEL. Es wäre schade, wenn diese Perlen in der schieren Masse untergehen würden.
Braucht die SPIEL neue Konzepte?
Vielleicht wird die Antwort auf weiteres Wachstum nicht einfach noch mehr Fläche sein.
Denkbar wären zusätzliche Fachbesuchertage, längere Öffnungszeiten oder neue Konzepte zur Besucherlenkung. Auch digitale Terminbuchungen für besonders gefragte Demorunden könnten künftig eine größere Rolle spielen.
Natürlich sind das alles nur Gedankenspiele. Aktuell freue ich mich erst einmal darüber, dass die zusätzliche Hallenfläche hoffentlich etwas Entlastung bringt.
Mein Eindruck
Für mich hat die SPIEL ihre Kapazitätsgrenze noch nicht erreicht. Aber ich glaube, dass wir uns langsam einem Punkt nähern, an dem die Frage nach der optimalen Größe wichtiger wird als die Frage nach weiterem Wachstum.
Denn am Ende kommen die meisten von uns nicht nach Essen, um Rekorde zu feiern. Wir kommen, um Spiele zu entdecken, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und unser Hobby gemeinsam zu erleben.
Und genau dieses Erlebnis sollte bei allen Wachstumsplänen im Mittelpunkt stehen.
Wie siehst du das?
Freust du dich über die weitere Expansion der SPIEL oder glaubst du, dass die Messe langsam an ihre Grenzen stößt? Sollte sie weiter wachsen oder lieber neue Wege finden, die vorhandene Fläche besser zu nutzen?
Schreib deine Meinung gerne in die Kommentare – ich bin gespannt, wie du die Entwicklung einschätzt.
