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Essen Spiel

Gibt es eigentlich zu viele Brettspiel-Neuheiten?

Wenn man sich die Ankündigungslisten rund um die SPIEL Essen anschaut, könnte man schnell zu einer klaren Antwort kommen: Ja.

Jedes Jahr erscheinen hunderte, vermutlich sogar tausende neue Brettspiele. Schon lange vor der Messe beginnen Vorschauartikel, Top-10-Listen und Diskussionen darüber, welche Titel man unbedingt im Blick behalten sollte.

Und trotzdem frage ich mich immer häufiger: Kann man in dieser Menge überhaupt noch den Überblick behalten?

Niemand kann mehr alles kennen

Als ich vor vielen Jahren ins Hobby eingestiegen bin, hatte ich zumindest das Gefühl, einen Großteil der relevanten Neuheiten mitzubekommen.

Heute erscheint mir das nahezu unmöglich.

Selbst wenn man regelmäßig Podcasts hört, Videos schaut, Rezensionen liest und auf BoardGameGeek unterwegs ist, entgehen einem ständig interessante Veröffentlichungen.

Eigentlich ist das ein Luxusproblem. Die Auswahl war nie größer. Gleichzeitig führt sie aber dazu, dass Aufmerksamkeit zu einer immer knapperen Ressource wird.

Wie viele Spiele spielen wir wirklich?

Hand aufs Herz: Wie viele Neuheiten eines Jahres landen tatsächlich regelmäßig auf unserem Tisch?

Die meisten von uns kaufen deutlich schneller Spiele, als sie sie spielen können. Der berühmte „Pile of Shame“ ist längst kein Randphänomen mehr.

Dazu kommt, dass viele Spiele gar nicht schlecht sind. Sie sind einfach nur eines von vielen guten Spielen, die um dieselbe Freizeit konkurrieren.

Vielleicht liegt das eigentliche Problem also gar nicht in der Qualität der Neuheiten, sondern in ihrer schieren Anzahl.

Gehen gute Spiele unter?

Diese Frage beschäftigt mich besonders.

Denn wenn jedes Jahr hunderte neue Titel erscheinen, dann werden zwangsläufig einige sehr gute Spiele übersehen.

Manche verschwinden bereits wenige Monate nach Veröffentlichung wieder aus der öffentlichen Wahrnehmung. Nicht weil sie schlecht wären, sondern weil bereits die nächste Welle an Neuheiten vor der Tür steht.

Gerade kleinere Verlage stehen hier vor einer enormen Herausforderung. Aufmerksamkeit zu gewinnen ist oft schwieriger geworden als ein gutes Spiel zu entwickeln.

Die Jagd nach dem Nächsten

Manchmal habe ich das Gefühl, dass sich unser Hobby verändert hat.

Früher stand stärker im Mittelpunkt, ein Spiel zu entdecken und über Jahre hinweg immer wieder zu spielen. Heute scheint oft schon die nächste Neuheit zu warten, bevor die aktuelle überhaupt richtig erkundet wurde.

Natürlich trifft das nicht auf alle Spieler zu. Dennoch beobachte ich eine zunehmende Fokussierung auf Neuheitenlisten, Vorbestellungen und Crowdfunding-Kampagnen.

Die Frage ist: Verpassen wir dadurch vielleicht einige der besten Spielerlebnisse?

Weniger Neuheiten würden das Problem nicht lösen

Trotzdem glaube ich nicht, dass die Branche weniger Spiele veröffentlichen sollte.

Vielfalt ist eine der größten Stärken unseres Hobbys. Unterschiedliche Zielgruppen, Mechaniken und Themen sorgen dafür, dass fast jeder sein Lieblingsspiel finden kann.

Außerdem entstehen Innovationen häufig gerade deshalb, weil viele Menschen neue Ideen ausprobieren.

Das Problem ist also vermutlich nicht die Anzahl der Neuheiten selbst.

Vielleicht müssen wir einfach anders auswählen

Je länger ich im Hobby bin, desto entspannter gehe ich mit Neuheiten um.

Ich muss nicht jedes Spiel kennen. Ich muss nicht jeden Hype mitmachen. Und ich muss auch nicht jedes Jahr die „Top 100“ gespielt haben.

Stattdessen versuche ich, die Spiele zu finden, die wirklich zu meinem Geschmack und meiner Spielgruppe passen.

Das gelingt nicht immer – aber deutlich besser als der Versuch, alles im Blick behalten zu wollen.

Mein Fazit

Gibt es zu viele Brettspiel-Neuheiten?

Für die Branche wahrscheinlich nicht. Für meinen persönlichen Spieleabendkalender ganz eindeutig schon.

Und vielleicht ist genau das die richtige Antwort: Nicht die Anzahl der Neuheiten ist das Problem, sondern die unrealistische Erwartung, alles kennen, spielen oder besitzen zu müssen.

Wie siehst du das?

Freust du dich über die riesige Auswahl an Neuheiten oder fühlst du dich manchmal von der Menge erschlagen? Gibt es aus deiner Sicht zu viele Veröffentlichungen – oder ist gerade diese Vielfalt eine der größten Stärken unseres Hobbys?

Schreib deine Meinung gerne in die Kommentare. Ich bin gespannt, wie du die Entwicklung wahrnimmst.

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