Wenn ich an meine ersten Besuche der SPIEL Essen zurückdenke, dann waren es vor allem die Entdeckungen, die mir in Erinnerung geblieben sind. Irgendwo zwischen den großen Verlagen fand sich plötzlich ein kleines Spiel, von dem man vorher noch nie gehört hatte. Ein kurzer Blick genügte – und schon stand das nächste Spiel auf der Wunschliste.
Heute sieht die Realität manchmal etwas anders aus.
Denn mit dem Erfolg der Messe sind auch die Warteschlangen gewachsen.
Wie viel Zeit verbringen wir eigentlich mit Warten?
Wer an einem Messetag unterwegs ist, kennt das vermutlich.
Warten am Einlass. Warten an besonders beliebten Ständen. Warten auf eine Demorunde. Warten an der Kasse. Warten beim Essen.
Natürlich gehört das bei Großveranstaltungen dazu. Gleichzeitig frage ich mich manchmal, wie viel Prozent eines Messetages tatsächlich mit Spielen, Gesprächen und Entdecken verbracht werden – und wie viel Zeit wir schlicht in Schlangen stehen.
Besonders bei den großen Neuheiten entsteht gelegentlich das Gefühl, dass die Wartezeit länger ist als die eigentliche Spielerfahrung.
Die Qual der Wahl
Ein weiteres Phänomen hat sich in den letzten Jahren verstärkt: die schiere Menge an Neuheiten.
Jedes Jahr erscheinen hunderte, wenn nicht sogar tausende neue Spiele. Niemand kann alles sehen, geschweige denn alles ausprobieren.
Dadurch verändert sich auch die Art, wie viele Besucher über die Messe gehen. Statt sich treiben zu lassen, wird immer häufiger geplant, priorisiert und optimiert.
Manchmal fühlt sich ein Messetag fast an wie ein Projektplan.
Geht dabei etwas verloren?
Vielleicht bin ich da nostalgisch, aber ich glaube schon.
Die schönsten Messemomente entstehen oft ungeplant. Man bleibt an einem Stand stehen, weil das Cover interessant aussieht. Man setzt sich spontan an einen Tisch. Man kommt mit fremden Menschen ins Gespräch.
Wenn der Tag dagegen komplett durchgetaktet ist, gehen genau diese Momente möglicherweise verloren.
Gerade die kleinen Entdeckungen machen für mich einen großen Teil des Reizes der SPIEL aus.
Die großen Verlage gewinnen – die kleinen verlieren?
Je voller die Messe wird, desto stärker konzentriert sich die Aufmerksamkeit oft auf die bekannten Namen.
Das ist verständlich. Wer nur begrenzte Zeit hat, möchte die Titel sehen, über die bereits alle sprechen.
Gleichzeitig frage ich mich, ob dadurch kleinere Verlage und unbekannte Autoren zunehmend ins Hintertreffen geraten. Schließlich konkurrieren sie nicht nur mit anderen Spielen, sondern auch mit der begrenzten Zeit der Besucher.
Dabei stammen einige meiner schönsten Messekäufe gerade von Ständen, die ich ursprünglich gar nicht auf dem Zettel hatte.
Trotzdem möchte ich die SPIEL nicht missen
Trotz aller Kritik: Ich freue mich jedes Jahr aufs Neue auf die Messe.
Denn selbst wenn die Hallen voller werden, bleibt die SPIEL ein einzigartiger Ort. Nirgendwo sonst trifft man so viele Menschen, die dieselbe Begeisterung für Brettspiele teilen.
Nirgendwo sonst kann man innerhalb weniger Stunden so viele Neuheiten sehen, ausprobieren und diskutieren.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum wir die Warteschlangen letztlich akzeptieren.
Mein persönliches Fazit
Für mich ist die SPIEL immer noch in erster Linie eine Messe der Entdeckungen. Aber ich merke, dass die Warteschlangen Jahr für Jahr ein größerer Teil des Erlebnisses werden.
Deshalb hoffe ich, dass die zusätzliche Hallenfläche 2026 nicht nur mehr Platz für Aussteller schafft, sondern auch etwas von dem zurückbringt, was die Messe für mich immer ausgezeichnet hat: die Möglichkeit, ohne Zeitdruck durch die Hallen zu schlendern und zufällig auf das nächste Lieblingsspiel zu stoßen.
Wie erlebst du die SPIEL?
Ist die SPIEL für dich noch eine Messe der Entdeckungen oder mittlerweile eher eine Messe der Warteschlangen? Planst du deinen Besuch minutiös oder lässt du dich lieber treiben?
Schreib deine Erfahrungen gerne in die Kommentare. Mich würde interessieren, wie sich dein Messeerlebnis in den letzten Jahren verändert hat.
