Wer die Brettspielszene schon etwas länger verfolgt, kennt das Phänomen: Alle paar Jahre scheint eine neue Idee die Zukunft des Hobbys zu sein. Verlage springen auf, Medien berichten darüber und auf Messen wird diskutiert, ob sich dadurch die Art zu spielen dauerhaft verändern wird.
Manche dieser Trends haben den Markt tatsächlich nachhaltig geprägt. Andere sind heute kaum noch sichtbar. Wieder andere existieren weiterhin – aber deutlich kleiner als ursprünglich erwartet.
Zeit für einen persönlichen Rückblick auf einige der größten Brettspiel-Trends der vergangenen zehn Jahre.
Hybridspiele mit App-Unterstützung
Vor einigen Jahren schien es fast unvermeidlich, dass Apps ein fester Bestandteil moderner Brettspiele werden würden. Spiele wie Mansions of Madness, Chronicles of Crime oder Alchemists zeigten, wie digitale Elemente neue Möglichkeiten schaffen können.
Trotzdem habe ich das Gefühl, dass sich Hybridspiele nie wirklich flächendeckend durchgesetzt haben.
Ja, es gibt erfolgreiche Vertreter. Aber der große Durchbruch blieb aus. Viele Spieler schätzen gerade die bewusste Auszeit von Bildschirmen. Zudem entsteht immer die Frage, wie lange eine App gepflegt wird und ob ein Spiel in zehn Jahren überhaupt noch problemlos funktioniert.
Ich glaube deshalb nicht, dass Apps verschwinden werden. Sie haben ihren Platz gefunden – aber eher als Werkzeug für bestimmte Spielerlebnisse und nicht als Zukunft aller Brettspiele.
Legacy-Spiele
Hier lag die Branche deutlich richtiger.
Als Pandemic Legacy erschien, war noch unklar, ob Spieler wirklich bereit wären, Spielmaterial dauerhaft zu verändern oder sogar zu zerstören.
Heute wissen wir: Ja, viele sind dazu bereit.
Legacy-Spiele haben gezeigt, wie stark sich Geschichten und Entscheidungen auf das Spielerlebnis auswirken können. Zwar erscheint nicht mehr jedes Jahr eine Flut neuer Titel, aber das Konzept hat sich etabliert und zahlreiche moderne Kampagnenspiele beeinflusst.
Für mich gehört Legacy zu den Trends, die dauerhaft Spuren hinterlassen haben.
Escape-Spiele für Zuhause
Vor einigen Jahren schien es, als würde jedes zweite Spielregal ein neues Escape-Spiel enthalten.
Die Idee war einfach: Das Erlebnis eines Escape Rooms in einer kompakten Box für Zuhause.
Der Hype hat sich inzwischen deutlich beruhigt. Dennoch würde ich diesen Trend nicht als gescheitert bezeichnen. Vielmehr hat sich ein eigenes Genre entwickelt, das heute seinen festen Platz besitzt.
Die große Welle ist vorbei, aber Escape-Spiele sind geblieben.
Unique Games
Ein Trend, von dem ich deutlich mehr erwartet hatte.
Die Grundidee war faszinierend: Jede Spielschachtel enthält einzigartige Inhalte, die sich von jeder anderen Ausgabe unterscheiden.
Bekannte Beispiele wie KeyForge sorgten zunächst für viel Aufmerksamkeit. Doch heute hört man nur noch selten von diesem Konzept.
Möglicherweise waren Produktion und Kommunikation zu aufwendig. Vielleicht war der Mehrwert für viele Spieler auch schlicht zu gering.
Für mich bleibt Unique Games eines der spannendsten Experimente der vergangenen Jahre – allerdings eines, das sich bislang nicht dauerhaft durchsetzen konnte.
Solo-Spiele und Solo-Modi
Wenn mich vor zehn Jahren jemand gefragt hätte, ob Solo-Spiele einmal ein zentraler Bestandteil des Hobbys werden würden, hätte ich wahrscheinlich gezweifelt.
Heute gehört ein Solo-Modus bei vielen größeren Veröffentlichungen fast schon zum Standard.
Gerade während der Pandemie hat sich gezeigt, wie groß die Nachfrage tatsächlich ist. Viele Spieler möchten ihre Sammlung unabhängig von festen Spielgruppen nutzen können.
Für mich ist Solo-Gaming einer der größten Gewinner der vergangenen zehn Jahre.
Crowdfunding
Auch hier habe ich mich verschätzt.
Mehrfach dachte ich, der Höhepunkt sei erreicht. Doch Plattformen wie Kickstarter oder Gamefound spielen weiterhin eine zentrale Rolle.
Allerdings hat sich der Markt verändert. Während früher häufig neue Ideen im Mittelpunkt standen, dominieren heute oft große Kampagnen mit Deluxe-Komponenten, Miniaturen und umfangreichen Erweiterungen.
Crowdfunding ist geblieben – aber nicht mehr unbedingt in der Form, die viele ursprünglich erwartet hatten.
Und was kommt als Nächstes?
Vielleicht sind die aktuellen Diskussionen um KI, Trading Card Games oder neue Vertriebsmodelle die nächsten großen Trends. Vielleicht sprechen wir in fünf Jahren darüber genauso wie heute über Hybridspiele oder Unique Games.
Genau das macht unser Hobby so spannend: Niemand weiß mit Sicherheit, welche Ideen bleiben und welche wieder verschwinden.
Wie siehst du das?
Welcher Brettspiel-Trend der letzten zehn Jahre hat dich am meisten überrascht? Welche Entwicklung hast du kommen sehen – und bei welcher lagst du völlig daneben?
Schreib deine Meinung gerne in die Kommentare. Ich bin gespannt, welche Trends du in dieser Liste vermisst und welche du für die Zukunft der Brettspielbranche hältst.
